… und das absolut unverblümt. Pünktlich um 21 Uhr spielte der gut gelaunte Jason Mraz mit seiner Jam-Kapelle in den ausverkauften Hamburger DOCKS auf und mischte in seine Songs einige Meilensteine der Musikgeschichte ein. So durfte die sangesfreudige Fanschar bei „The Remedy“ Oasis’ „Wonderwall“ zum besten geben und beim freudetaumelnden Schunkler „I’m yours“ Bob Marley’s „Three little birds“ frei lassen. Mr. A-Z gibt auch ganz offen zu, dass es inzwischen schwer geworden sei, komplett neue Songideen zu schaffen – alle Musiker klauten! Wenn man das im Fall Mraz dann aber auch noch so charmant kreativ und offen zur Schau stellt, muss man ihn hier einfach freisprechen. Und seien wir mal ehrlich: Ohne seine Mithilfe hätten wir das auch gar nicht bemerkt.
Verstecken braucht der Junge sich sowieso nicht. Wer hier dachte, ein amerikanisches, glattbegügeltes Abziehbild der Pop-Industrie abzufeiern, dürfte sich über die ein oder andere Neukreation aus seinem inzwischen auf drei Alben angewachsenen Song-Sammelsurium erfreut oder gewundert haben. So glatt, wie die Songs auf CD daherkommen, so lebendig wirkten sie gestern auf der Bühne. Das hat viel mit dem Können von Jason Mraz zu tun, gleichzeitg zwei Instrumente zur Perfektion zu beherrschen (Stimme und Gitarre) und talentierte Musiker um sich zu scharen. Das war keine One-Man-Show à la carte, auch wenn Mraz die Menge gekonnt beschnacken konnte – die Musiker hatten auch ihre ganz eigenen Momente: Toca Rivera, der Percussionist mit der tiefsten Stimme, ein Jim Carrey Look-Alike an den Keyboards oder das stets präsente Bläser-Trio, dass auch mal plötzlich von der Bar aus spielte.
Es wurde zum größten Teil das neue Album vorgstellt, aber auch Klassiker wie „Life is wonderful“ hatten ihren Platz im Set. Teilweise verspielt, teilweise reduziert aber auch manchmal ganz nah am Original – im Falle „Lucky“ im Zusammenspiel mit der Vorband Ingrid Michaelson.
Jason Mraz’ glasklare Stimme, die nach oben dem Anschein nach keine Grenzen kennt, schwebt über alledem – meiner Meinung nach, die zurzeit begnadetste Stimme am Pop-Olymp – das darf Freddie sich an dieser Stelle ruhig gefallen lassen. Die Entertainerqualitäten taten den Rest – zum Schluss machte der Herr noch Polaroid-Fotos von sich und der Band, die dann frisbeeartig ins Publikum gewurfen wurden – ein schönes Andenken an den überaus gelungenen Abend (wer ein solches übrigesn gefangen haben sollte, bitte im Kommentar melden, und ich werde es dann auf diese Seite stellen).
Wer die Show verpasst hat, könnte heute noch schnell nach Berlin fahren oder morgen nach Frankfurt. Letzte Chance am 5. Oktober in München. Es lohnt sich.
Und wer dies nicht schaffen sollte und dennoch was von der Mraz-Experience aufsaugen möchte, kann sich das Live-Album und die dazu passende DVD „Tonight, not again“ zulegen oder einfach mal die Homepage des Künstlers besuchen (um auch mal ein wenig vom Humor abzubekommen).
![Jason Mraz live in Hamburg - DOKS [01.10.08] Jason Mraz live im DOKS](http://www.fishworx.de/blox/mraz_hamburg.jpg)